Das Dorf Boden, der Vulkan Eisenbühl und Goethe

Selbstgeführte Wanderung – entlang der Grenze


KENNZEICHNUNG:
schwarzer Punkt (#009)

STRECKENVERLAUF:
Bad Neualbenreuth – Grenzübergang – Bad Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 1 Stunde; ca. 3,0 km; Höhenunterschied ca. 50 m

BESONDERHEITEN:
Wüstung Boden – Grenzübergang Mýtina – Anschluss zum Vulkan Železná hůrka (Eisenbühl)


Feldkreuz der Familie Keil
Feldkreuz der Familie Keil

Die Rundwanderung auf befestigten Wegen für jede Witterung und bis auf die Steigung barrierefrei startet am Sengerhof in der Turmstraße Richtung Markplatz und biegt gleich an dessen Anfang nach rechts bergan ab. Geradeaus verlässt die Route den Ort über die Felder und biegt am Angermeier-Kreuz (584m) rechts ab.

Vorbei an der Bodener Flur führt die Markierung bis zum Grenzübergang (594m) für Fußgänger und Radfahrer nach Mýtina (Altalbenreuth). Dort wendet sie sich nach rechts und führt geradeaus über die Zollstraße zuerst leicht ansteigend und dann bergab in den Ort zurück. Am Feuerwehrhaus in der Turmstraße biegt der Weg nach rechts ab und führt zurück zum Ausgangspunkt.

 

Aktueller Streckenverlauf seit 2021/22:

 

Aus Geschichte und Sagenkreis:


Die Bodener Flur
Die Bodener Flur

Der Ort Boden (Rovinka)
Ein Holzschild macht auf das ehemalige Dorf Boden, das in dem kleinen Laubwäldchen etwa 600 Meter jenseits der Grenze lag, aufmerksam. Die erste urkundliche Erwähnung fand Boden 1316. In den Jahren 1945 und 1946 flohen die Bewohner in die meist benachbarten Orte auf bayerischer Seite. Die Häuser wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der Grenznähe dem Erdboden gleichgemacht. Zuvor hatte man der Flur mit Rovinka noch einen tschechischen Namen zu geteilt. Zu dem Dorf gehörten neun Bauernhöfe. Die Bewohner waren bis zum Fraischausgleich der Pfarrei Bad Neualbenreuth zugehörig. 1858 kam das Dorf zur Pfarrei Altkinsberg, bis 1945 bestand aber eine enge Verbindung nach Bad Neualbenreuth, so ging man in die Kirche nicht nach Altkinsberg, sondern nach Bad Neualbenreuth.


Der "Eisenbühl"
Der „Eisenbühl“

Der „Eisenbühl“
Der ausgebrannte Vulkan Eisenbühl stellt eine geologische Besonderheit dar. Mit der Faltung der Alpen, die in der Kreidezeit begann und bis in das ältere Tertiär andauerte (vor ca. 70 – 140 Mio. Jahren), gerieten auch die Schollen der alten Gebirgsmassen in Bewegung. Da sie zu einer Faltung nicht mehr elastisch genug waren, wurden die Gesteine gegeneinander verbogen, verschoben und übereinander gepresst. Es entstanden Spalten, Gräben, Brüche und Verwerfungen.
Die Begrenzung der östlichen Mittelgebirge (Steinwald, Oberpfälzer Wald und Bayerischer Wald) erfolgt weitgehend durch solche Störungslinien (Fränkische Linie). Durch diese Störungen konnte Material aus dem Erdinneren an die Oberfläche gelangen. Als Folge trat in der nördlichen Oberpfalz und in Westböhmen ein reger Vulkanismus zutage.
Heute noch andauernde Auswirkungen dieser vulkanischen Tätigkeit sind die Kohlensäuremineralquellen im Gebiet um Bad Neualbenreuth, um Kondrau und im böhmischen Bereich. Auch die Entstehung des ausgebrannten Vulkans Eisenbühl geht auf diese Vorgänge zurück.


Goethe in Böhmen
Ein besonderer Tag für Boden und den Eisenbühl war Samstag, der 23. August 1823. An diesem Tag besuchte Deutschlands größter und berühmtester Dichter Johann Wolfgang von Goethe mit seinem engen Freund, dem Kriminalrat Josef Sebastian Grüner aus Eger, den Eisenbühl. Auszüge aus „Goethe in Böhmen“ von Johannes Urzidil und „Ein fast vergessenes Dorf …“ von Lorenz Weiß, Bad Neualbenreuth: „ … Dann gingen wir in nördlicher Richtung den Berg abwärts auf das Dorf Altalbenreuth zu, wo auf den Feldern glänzende, zertrümmerte Basalthornblende, nahe dem Dorfe hohe Schichten von vulkanischem Sande mit porösen Basaltstücken und Hornblende entdeckt wurden. Als wir die schönen Funde nach der Heimkunft auspackten, sagte Goethe: „Morgen gibt es zu ordnen und zu verzeichnen. Sie bleiben doch noch bei mir, wir wollen noch manches besprechen.“ Nachdem er das Oberkleid mit dem Schlafrock vertauscht hatte, musste ich mich zu ihm setzen, und er sprach: „Wir haben heute unser Tagwerk vollbracht, und wir wollen uns nun ausruhen. Diese merkwürdige Gegend wünsche ich mit Ihnen noch einmal zu besuchen, wenn es Ihre Geschäfte zulassen. Wir haben den in der Nähe östlich von uns gelegenen Dillenberg, wo die edlen Granaten vorkommen, noch nicht besucht, und der südlich von uns gelegene Wald, Hochwald genannt, dürfte nebst den schönen Andalusiten noch andere Ausbeute liefern. Ihre Gebirgskarte hat mich zu dem abermaligen Besuch bestimmt. Denn ich glaube, dass die Gebirgsformation gegen den Westen aus anderem Gestein als jene gegen Süden besteht. Die Täler dazwischen und die äußere Form dieser Gebirge dürfte meine Meinung bestärken. Finden wir bei Trennung derselben in Spalten Wasserrisse, so kommen wir bald ins Reine. Auch den Bach dürfen wir nicht unbeachtet lassen; denn Regengüsse führen manches hinab, was wir brauchen, und uns daran erfreuen können.“
Leider hat Goethe den Tillenberg und den südlich von Boden gelegenen Egerer Hochwald nicht besucht, obwohl er es laut Aufzeichnungen des Herrn Grüner ernstlich vorhatte. Schuld daran war Ulrike von Levetzov, die gerade 17 Jahre alt war und die letzte große Liebe des damals 72-jährigen Goethe. Als seine Liebe nach 2 Jahren doch nicht die gewünschte Erhörung fand, reiste er in tiefer, innerer Wehmut ab und klagte auf dem Weg nach Weimar sein Liebesleid in einer der schönsten Liebesdichtungen der Weltliteratur, in der „Marienbader Elegie“.


Die Stadt Jerusalem – Die Lebensgeschichte einer Paschern (nach Lorenz Weiß)
Das Paschen oder Schmuggeln war bis zum Ersten Weltkrieg ein einträgliches Geschäft für arme Leute. Dazu gehörten damals Häusler, Taglöhner, Kleinhandwerker und Dienstboten.

Lene aus Neualbenreuth war Küchenhilfe und Servierfräulein in Marienbad. Mit etwa 50 Jahren kehrte sie unverheiratet nach Neualbenreuth zurück und lebte alleine in einem Häuschen. Sie ging so oft wie möglich nach Böhmen. Bei den Leuten hieß es:„ Wenn die Woche sieben Tage hat, dann ist die Lene acht Mal im Böhmischen.“ Die Zöllner vermuteten, dass sie etwas schmuggelte. Aber sie fanden nie etwas zum Verzollen bei ihr. Sie durchsuchten den Handwagen und die Handtasche. Man fand nichts unter dem Hut und im Haar. Nach jeder Kontrolle sagte sie immer dasselbe:“ „O mei unter’m Kittel unterm Hemd ist die Stadt Jerusalem!“ Den Spruch der alten schrulligen Dame nahmen die Zöllner nicht ernst. Sie meinten, er wäre eine Aufforderung zu einem Schäferstündchen. Die Leibesvisitation unterblieb daraufhin. 

Auf dem Sterbebett hat sie den Hintergrund des Spruches verraten. Die himmlische Stadt Jerusalem, die sie in den Hosen verbarg und mit dem sie ihr Leben aufbesserte, war böhmischer Tabak.


 

2 Gedanken zu „Das Dorf Boden, der Vulkan Eisenbühl und Goethe“

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